Münster (Westfalen): Promenade an der Unterführung Mauritztor mit neuer taktiler Trennung

Beschreibung

Der Altstadtkern von Deutschlands "Fahrradhauptstadt" wird von der bekannten Promenade umschlossen. Hierbei handelt es sich um eine Ringstrecke für den nicht motorisierten Verkehr auf den alten Wallanlagen. "Richtig ins Radfahren" kommt man auf der Ringstrecke mit Stand August 2016 leider eher nicht, da es zahlreiche ebenerdige Querungen gibt, auf denen der Radverkehr Vorrang gewähren muss.



An einer Stelle bei Geo 51.96202 7.63445 jedoch wurde schon vor Jahrzehnten eine Unterführung errichtet - und zwar am Mauritztor. Diese Entscheidung war auch richtig, denn gerade der Ostteil der Promenade wird besonders stark vom Radverkehr genutzt. Das Teilstück ist im städtischen Radverkehrsnetz eine wichtige Radtangente zur Stadtmitte. Aufgrund des Gefälles in der Unterführung war der alte Radbereich dem hohen Verkehrsaufkommen nicht mehr gewachsen (http://www.wn.de/Muenster/1878104-Ueberarbeitetes-Konzept-Neue-Unterfuehrung-am-Mauritztor). Es bestand Handlungsbedarf:

Im Rahmen einer Neugestaltung der Oberflächen wurde der Radbereich von 3,65 m auf 5,5 m in Asphalt verbreitet bzw. angehoben und damit der Verkehrsrealität Radverkehr/Fußverkehr im Bauwerk angepasst. Für den zahlenmäßig wohl bedeutend geringeren Fußverkehr verbleiben jetzt immer noch sichere 2,6 m in Pflaster. Das niedrige Bord als Trennung verschwand. Es wurde eine taktile Trennung angelegt. Diese besteht aus grauen Noppenplatten und einem zusätzlichen, weißen Betonsteinpflasterstreifen als visuelle Trennung. Damit hat man in Münster eine taktile Trennung zwischen einer Radfahrbahn und einem Fußgängerbereich fachlich optimal umgesetzt. In nicht wenigen anderen deutschen Städten kommen als taktile Trennung zwischen Rad- und Fußbereichen nur Kleinsteinpflasterstreifen aus Basalt zum Einsatz. Eine zusätzlich gut erkennbare visuelle Hervorbebung der Trennlinie fehlt hier. Kommen als Oberfläche für den Rad- und Fußbereich z. B. zusätzlich noch die gleichen grauen Pflastersteine zum Einsatz, so ist spätestens in ein paar Jahren mit nachgegrauten Pflastersteinen die taktile Trennung visuell nur noch recht schwer zu erkennen. Vermehrte Konflikte zwischen dem Rad- und Fußverkehr sind die Folge, da für viele Verkehrsteilnehmer nicht mehr auf den ersten Blick klar ist, welche Flächen man zu nutzen hat. In Münster hat man diesen Konflikten mit einer fachlich guten Lösung wirksam vorgebeugt.

Die örtliche "Kommission zur Förderung der Inklusion von Menschen mit Behinderungen (KIB)" hat der neuen Planung ihr ok gegeben: http://www.muenster-journal.de/2016/07/wie-barrierefrei-ist-die-unterfuehrung-mauritztor/

Sinnvoll ist es besonders für weiße Markierungssteine, wie hier, durchgefärbte Steine einzusetzen, damit der Kontrast noch lange gut sichtbar bleibt. Das gilt auch für sonstige weiße Formsteine im Bereich taktiler Leitsysteme, die auch für sehende dauerhaft gut wahrnehmbar sein sollen. Auf dem neuen eRadschnellweg in Göttingen wurden oftmals weiße Noppensteine als auch gut sichtbare taktile Trennlinie eingesetzt.

Sonst ist noch anzumerken, dass es sich um eine sozial sichere Unterführung handelt. Das Bauwerk besitzt einen gut einsehbaren, geraden Durchstich. Ein halber Roman zu einem Bild, aber das Thema ist wichtig. question



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Nachtrag Juni 2018: In Münster wurde für die Promenade ein neues Querungsstellenkonzept erarbeitet. An vier Knoten soll die Promenade Vorfahrt erhalten (Am Kreuztor, Kanalstraße, Hörstertor, Salzstraße). Laut Presse http://www.wn.de/Muenster/3345064-Stadt-plant-Umbau-Vorfahrt-fuer-Promenaden-Radler sind "an den vielbefahrenen Stellen wie Neutor und Stadtgraben durchaus auch Brücken oder Unterführungen denkbar". Das Konzept ist Teil des Masterplans Mobilität2035+". Auch für die weiteren Querungsstellen soll ein Konzept erarbeitet werden: https://muenster-journal.de/2018/06/muenster-liegt-im-fahrrad-staedtevergleich-vorn/ An Spitzentagen fahren bereits heute 23.000 Radfahrende durch die Unterführung Mauritztor.



Stichwort "Radschnellweg": Auf dem Motiv ist ein Hauptmerkmal einer Radschnellverbindung zu sehen, nämlich die bauliche Trennung von Rad- und Fußverkehr. Die Promenade in Münster ist mit Stand Juni 2018 jedoch kein Radschnellweg. Bis auf die Strecke an der Unterführung hier gibt es keine Separation. Streng genommen ist die Radhauptroute sogar noch nicht einmal eine Radverkehrsfläche nach StVO. Sie ist in der Regel mit Zeichen 250 und Zusatzzeichen "Radfahrer frei" beschildert (also kfz-freie Mischverkehrsfläche für Rad- und Fußverkehr).



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Dirk Schmidt

Dirk Schmidt

geboren 1978, interessiert sich für viele Themen rund um die Mobilität

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Blende F5.6

ISO 800

Aufgenommen am Wed, Aug 31, 2016 4:48 PM

Schlagworte

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